T`ai Chi Chuan

Kurzform nach Cheng Man Ch`ing
Die traditionelle Form des Yang-Stils enthält 106 Figuren oder Stellungen. Da ihr Üben für viele Menschen nicht in den Alltag zu integrieren war – man braucht für einen Durchgang ca. eine halbe Stunde – hat Cheng Man Ch`ing sie kurzerhand reduziert. Durch Weglassen von Wiederholungen und einzelner Figuren hat er die Kurzform, oder wie er selbst sagte »die Langform mit 37 Stellungen«, entwickelt.

Und obwohl insbesondere aus den Schülerkreisen der Yang-Familie als nicht traditionell und ineffizient kritisiert, hat sich diese Form weltweit verbreitet und ist heute eine der am meisten praktizierten T`ai Chi Chuan-Formen. Sicherlich sollte man derartige Kritiken im Kontext der Geschäftstüchtigkeit betrachten.

Wie der Yang-Stil insgesamt hebt sie sich von anderen Stilen dadurch ab, dass sie von sanften, langsamen und gleichmäßigen Bewegungen bestimmt wird und der Rücken gerade bleibt. Es finden also keine rasanten Tempowechsel, Sprünge und schnelle Tritte oder Schläge statt, wie es in anderen Formen der Fall ist. Gerade darum ist diese Form auch für ältere Menschen gut geeignet.

Pekingform
Im letzten Jahrhundert wurde, angeregt durch die Politik, eine Volksform entwickelt, welche aus verschiedenen Stilen Elemente übernommen hat. Sie ist neben dem Yang-Stil eine der verbreitetsten Formen und insbesondere in Pekinger Parkanlagen zu beobachten...

Tuishou
Wie bei jeder anderen Kampfkunst auch, gibt es im T`ai Chi Chuan das Training mit einem Partner. Dieses unterteilt sich in drei Hauptbereiche: Sanshou, Dalü und Tuishou. Das Tuishou ist der spielerische Kampf mit dem Partner um das Gleichgewicht. In zunächst festgelegten Formen, später dann in freiem Spiel, lernt man, den anderen wahrzunehmen, seine Stöße zu neutralisieren und selbst zu stoßen.

Nach einer Weile werden dann die Unterschiede zwischen der Anwendung innerer, subtiler Kraft und äußerlicher, Muskelkraft spürbar. Auf diese Weise vertiefen sich die Prinzipien des T`ai Chi Chuan, wie z.B. die Verwurzelung. Zudem bereichert dieses Üben die T`ai Chi Chuan-Praxis um das soziale Element. Die Kernthesen der Kampfkunst werden am eigenen Leib spürbar.

Sanshou
Diese Partnerform setzt sich aus zwei Soloformen (Form A und Form B) zusammen. Während ein Partner Form A ausführt, praktiziert der andere Form B. Da beide Formen ineinandergreifen (A wehrt ab, wenn B schlägt), übt man eine Folge mehrerer Kampfebewegungen am Stück, also Tritt - Schlag - Abwehr - Schlag usw. Es gilt, sich auf seinen Partner einzulassen und einen gemeinsamen Bewegungsfluss zu finden. Kontrolle von Tempo und Distanz sind daher zentrale Themen.

Stockform nach C. Dewanger
Diese Waffenform wurde selbstentwickelt. Präziser darf man auch nicht von einer Form sprechen, da es sich um einzelne Bewegungszyklen handelt, die in freiem, kreativen Spiel miteinander kombiniert werden. Man lernt also nicht eine längere Form, sondern nur kurze Passagen, mit denen man dann arbeiten kann.

Der Umgang mit dem Stock erfordert eine vollkommen neue Sicht des Raumes und der eigenen Bewegungen. Haben die Bewegungen des Zentrums in den waffenlosen Formen "nur " eine Bewegung des eigenen Körpers zufolge, so gehen diese jetzt über ihn hinaus. Am Anfang ist der Stock einfach ein lebloser Gegenstand, den wir in unseren Händen halten und das Empfinden für diesen muss – genauso wie für den eigenen Körper – erstmal entwickelt werden.

Dann aber ist das Üben mit dem Stock eine ungemein bereichernde Sache. Das Verständnis von Bewegungskurven und energetischen Wirkungsrichtungen wird vertieft, die Zentrierung der Bewegungen intensiviert und die Wahrnehmung des uns umgebenden Raumes geschärft.

Kurz gesagt: das Üben mit dem Stock ist ein Weg, seine Kenntnisse und Fähigkeiten im T`ai Chi Chuan auf besondere Weise zu vertiefen, der sehr viel Spaß macht.

Qigong

Qigong Yangsheng
Das Qigong Yangsheng ist ein Übungsprogramm nach Jiao Guorui. In ihm sind 27 Methoden enthalten, so z.B. Pfahl-Übungen, Spiel der 5 Tiere oder Taijiqigong. In unseren Yangsheng-Kursen werden Übungen aus den verschiedenen Formen gemischt, um so ein Abwechslungsreiches Prorgamm zu haben. Kennzeichnend für das Qigong Yangsheng ist, dass die Ruhepositionen betont werden, um dem inneren Wirken nachzuspüren.

Die 18 Gesundheitsübungen
Hierbei handelt es sich um 18 einfache Übungen, welche am selben Platz ausgeführt werden. Sie gehören zu den weiter verbreiteten Qigong-Systemen, nicht zuletzt aus dem Grund, dass sie gut den individuellen Fähigkeiten angepasst werden können. Die Variationsmöglichkeiten bei den Übungen mit größerer Anforderung sind sehr hoch, weswegen sich die 18 Gesundheitsübungen besonders für Anfänger empfehlen. Zudem sind sie recht schnell zu erlernen und benötigen nur wenig Platz.

Die Übungen des Kranich
Eine komplexe Bewegungsfolge, welche Bewegungen des Kranichs imitiert. Das Ziel besteht jedoch nicht nur darin, sich wie ein Kranich zu bewegen, sondern auch dessen Anmut und Grazie zu entfalten und das Wesen des Kranichs zu erkunden. Die Übungen des Kranichs sind ein sehr schönes und intensives Übungssystem, das allerdings für Anfänger weniger geeignet ist.

Die 8 Brokate
Diese bestehen aus acht einfachen Übungen, die jeweils einer Energie aus dem Bagua gewidmet sind. Neben den 18 Gesundheitsübungen sind die 8 Brokate eines der am Weitesten verbreiteten Qigong-Systeme und bestechen gerade durch ihre Verbindung zur Elemente-Lehre des Bagua.

Die 8 Übungen nach Dong Hongyu
Dieses Übungsprogramm wurde von der AOK angeregt und herausgegeben. Daher ist es auch als das AOK-System bekannt. Es besteht aus acht sehr schönen Bewegungsfiguren, die etwas mehr in den Raum gehen und komplexer sind als die 18 Gesundheitsübungen oder die 8 Brokate.

Das Spiel der 5 Tiere
Dieses ist ein altes, traditionelles Übungssystem, welches Qigong- und T`ai Chi-Formen gleichermaßen inspiriert und geprägt hat. Es besteht aus fünf verschiedenen Tierformen (Bär, Kranich, Tiger, Hirsch und Affe), in denen das Wesen der Tiere erkundet und ausgedrückt werden soll. Das Spiel der 5 Tiere ist wohl ein »muss« für alle Fortgeschrittenen.

Stilles Qigong / Yi-Qigong
Qigongübungen sind zumeist Bewegungsübungen, bei denn wir Haltung, Bewegung, Energiefluss, Atmung und Vorstellungskraft regulieren. Im stillen Qigong oder Yi-Qigong wird das Element der körperlichen Bewegung weggelassen, d.h. man übt im Sitzen, Liegen oder stillen Stand.

Im Mittelpunkt stehen die inneren Bewegungen des Zentrums und der Energie. Es gilt, seine Vorstellungskraft zu trainieren, die Wahrnehmung zu verfeinern und ein inneres Empfinden zu entwickeln. Da die körperliche Bewegung weggelassen wird, ist stilles Qigong eine sehr intensive Form der Energiearbeit und zudem eine seit Jahrhunderten bewährte Form der Meditation.

Im stillen Qigong lassen sich die Kenntnisse um die Prinzipien des T`ai Chi Chuan und bewegten Qigong gut vertiefen, und man kann auf angenehme Weise den taoistischen Einsichten auf den Grund gehen. Da beim T`ai Chi Chuan gut 90 Prozent innerlich geschehen sollten, könnte man das stille Qigong auch als das Herzstück aller Übungen bezeichnen.